Visionen für die Planungswende
Höher, schneller, weiter, mehr – Fortschritt wird in der westlichen Moderne in Wachstum gemessen. Doch die multiplen Krisen unserer Zeit werden immer deutlicher: der bevorstehende ökologische Kollaps, zunehmende ökonomische Verzerrungen und Ungleichheiten sowie die sozialen Konflikte und politischen Erschütterungen, die damit einhergehen.
Besteht hier ein Zusammenhang? Brauchen wir gesellschaftliche Ansätze zu einem Postwachstum? Was bedeutet das für die Stadt? Welche Rolle spielt die Nutzung und Verteilung von Boden? Und welche Rolle kann Planung dabei spielen?
Die Arbeit war Bestandteil einer Ausstellung, die in theoretische Grundlagen einführte, sowie für das betrachtete Plangebiet am Rande des Stuttgarter Stadtviertels »Auf der Prag« eine Bestandsanalyse und ein Trendszenario vorstellte. Daran knüpften unterschiedliche, individuell erarbeitete Alternativszenarien an.
Die beiden gezeigten Szenarien untersuchen unterschiedliche strategische Ansätze, dem Wachstumsbezug von Planung entgegenzuwirken. Sie wurden aus verschiedenen plausiblen Konstellationen von Schlüsselfaktoren entwickelt, anhand derer sich die zentralen Merkmale und Folgen der Szenarien vergleichen lassen. Um Wirkmechanismen, Auswirkungen und Charakter der Szenarien zu zeigen, sind sie dargestellt durch:
- narrative Schilderungen fiktiver Projekte
- systematische Beschreibungen der veränderten / neu geschaffenen Planungsinstrumente
- Veranschaulichung der Wirkzusammenhänge in einem zeitlich großmaßstäblichen Ablauf
Die Szenarien unterscheiden sich insbesondere durch ihren Ansatz an die Struktur des Eigentums an der Stadt. Während das Szenario »Kommunalisierung« die Hürden und Potentiale von deutlich umfangreicherem öffentlichen Eigentum in den Blick nimmt, untersucht das Szenario »Regulierung« dezelerationistische Potentiale in einer stärkeren Beschneidung der Freiheiten des Privateigentums bei grundsätzlich weiterhin größtenteils privatem Eigentum.
Die Arbeit soll anregen, die Selbstverständlichkeit einer auf Wachstum ausgerichteten Stadtplanung zu hinterfragen. Sie dient als Argumentationsgrundlage, indem sie negative Folgen des gegenwärtigen Umgangs aufzeigt und pointiert, sowie positive Folgen alternativer Ansätze untersucht.
Gleichzeitig bietet sie Lösungsansätze, um die Grenzen einer von Wachstum abhängigen Stadtplanung zu erweitern. Sie liefert Ideen und Diskussionsgrundlagen für dringend notwendige Veränderungen: Visionen für die Planungswende.
Nominiert für den Bauwendepreis der Universität Stuttgart.
Mitwirkende
Studierender: Martin Struller
Betreut durch: Prof. Laura Calbet, Sarah Thiel
Entwurf »Land Over – Visionen für die Planungswende«