SI / STÄDTEBAU-INSTITUT /
THEORIEN UND METHODEN DER STADTPLANUNG

Willkommen im Bereich Lehre des Fachgebiets Theorien und Methoden der Stadtplanung

AKTUELLE LEHRE WiSe 2022/23

Lehrpersonen: Prof. Dr. Laura Calbet; Dr. Tino Buchholz
Termin: Dienstags, 10:00  - 15:00 Uhr
Ersttermin: Di 18.10.2022
Ort: wird noch bekannt gegeben
Anmeldung: siehe Informationen der Fakultät (Zentrale Entwurfsvergabe)

Rurbanität ist ein hässliches Wort, schreibt Lefebvre, wenn er die vollständige Urbanisierung unseres Planeten beschreibt, unterschiedliche Qualitäten des städtischen Gewebes herausarbeitet und die kritische Phase der Verstädterung betont. Stadt und Land sind vielseitig aufeinander bezogen, die typologische Gegenüberstellung alles andere als zeitgemäß. In der modernen Stadt wird geackert, gegärtnert, sich auf den Kiez bezogen usw. Das moderne Dorf ist gleichwohl arbeitsteilig, profitabel organisiert, die moderne Landwirtschaft global aufgestellt. Stadt und Land eint das Phänomen sozialräumlicher Entfremdung, die Gleichzeitigkeit unterschiedlicher Ansprüche an das gute Leben und der Verlust der Kontrolle über das eigene Leben. 

Im Spannungsfeld individueller Selbstverwirklichung und ökonomischer Imperative fokussieren wir in diesem Entwurf Ideale und Realitäten der Sesshaftigkeit. Wir lesen Henri Lefebvres Recht auf Stadt und entwerfen das Recht auf Dorf entlang der für Lefebvre charakteristischen Handlungsfelder: das Recht auf Unterschiedlichkeit, Zentralität und Raumaneignung. Die Annäherung an das Ländliche erfolgt phänomenologisch und konzeptionell: in Schwarzwald, Odenwald und Schwäbischer Alb. Worin besteht das revolutionäre Moment des Ländlichen in der urbanen Gesellschaft? 

Leistungen:
• Auseinandersetzung mit thematischen Inputs und Literatur (auch englischsprachig)
• Photographische Bestandsaufnahme
• Analyse & Präsentation zu ausgewählten Handlungsräumen
• Konzeptioneller Entwurf: Recht auf Dorf

Lehrpersonen: Prof. Dr. Laura Calbet, Isabelle Willnauer
Termin: Mittwochs, 09.45 - 13.00 Uhr
Ersttermin: Mi 19.10.2022
Ort: wird noch bekannt gegeben
Anmeldung: siehe Informationen der Fakultät sowie Angaben in C@MPUS

Die Mietpreise steigen stetig, zahlreiche Menschen müssen einen immer größeren Anteil des verfügbaren Einkommens für das Wohnen ausgeben oder in Orte abseits der Metropolen ziehen. Diese Entwicklungen sind Teil einer Finanzialisierung des Wohnens, die in vielen Regionen Deutschlands voranschreitet. Die Zahl der Mietwohnungen, die großen, überwiegend transnationalen Wohnungsunternehmen gehören, ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Die Immobilienbranche ist immer weniger lokal verankert. Unter dem Motto „Wem gehört die Stadt?“ organisieren sich in vielen Städten Proteste für ein Recht auf Wohnen.

Im Seminar wollen wir dieses Motto wortwörtlich nehmen und die Spur der Finanzialisierungstendenzen in Stuttgart verfolgen. Dies wird erschwert, da die Grundbücher in Deutschland, anders als in vielen Ländern, nicht öffentlich einsehbar sind. Um Transparenz zu schaffen, recherchiert die Rosa-Luxemburg-Stiftung seit Jahren zu Großeigentümern in deutschen Städten. Obwohl es sich um eine der angespanntesten Regionen Deutschlands handelt, wurde Stuttgart bisher nicht untersucht. Dies wollen wir nun ändern. Mit Methoden an der Schnittstelle zwischen wohnungspolitischem Aktivismus und investigativem Journalismus gehen wir der Frage auf den Grund: Wem gehört Stuttgart?

Die Seminararbeit erfolgt in Gruppen auf folgende Weise:
- Auseinandersetzung mit thematischen Inputs und (auch englischer) Literatur zur Finanzialisierung des Wohnens und zur deutschen Wohnungspolitik
- Gemeinsames Mapping von Eigentumsverhältnissen
- Analyse, Präsentationen und Textbeitrag zu finanzialisierten Akteuren in Stuttgart.

Wenn möglich findet eine mehrtägige Exkursion nach Berlin statt.

Lehrpersonen: Dr. Britta Hüttenhain, mit Claudia Georgius
Termin: Donnerstags, 14.00 - 17:30 Uhr
Ersttermin: 20.10.2022
Ort: wird noch bekannt gegeben
Anmeldung: siehe Informationen der Fakultät sowie Angaben in C@MPUS

Experten sind sich einig, dass wir uns in einem umfassenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Transformationsprozess befinden, der viele Bereiche unseres Lebens grundlegend verändert. Der Wandel wird seinen Ausdruck auch in neuen Architekturen, Stadträumen sowie Planungsprozessen finden (siehe auch IBA’27 Stadt Region Stuttgart). 
Während in der historischen Stadt Arbeiten und Wohnen koexistieren, trennt die Stadtplanung der Moderne die Funktionen und überlässt die Entwicklung dem Markt, der wiederum Arbeitsquartiere/Gewerbegebiete nur selten als Gestaltungsaufgabe sieht. 
In den letzten Jahren rückt die Idee Wohnen, Arbeiten und Freizeit enger zu verweben wieder ins Blickfeld von Architekt:innen, Stadtplaner:innen sowie Unternehmer:innen. Erste Praxisbeispiele zeigen, dass die Vernetzung große Chancen bietet und es wird immer deutlicher, dass Arbeitsquartiere einen wichtigen Beitrag leisten können, wenn wir "gerechte, grüne und produktive Städte" im Sinne der Leipzig Charta1 entwickeln wollen. Dennoch zeigt sich ein Umsetzungsdefizit bei der Entwicklung multi-funktionaler, gemischt-genutzter und klimaangepasster Arbeitsquartiere, was u.a. Zielkonflikten sowie rechtlichen Hürden geschuldet ist.
Wir werden uns im Seminar mit der Transformation von Arbeitsquartieren in Klein- und Mittelstädten befassen und nähern uns wie folgt: 
1) Reflexion des Fachdiskurses durch Vortragsinputs (Lehrende wie Gäste); Textarbeit; studentische Referate; Dialog im Seminar  (Aspekte sind u.a.: Zukunft der Arbeit; Transformationsprozesse gestalten, Praxisbeispiele; integrale und kooperative Planungskultur) 
2) Erforschen von Referenzprojekten (vom Gewerbegebiet zum multifunktionale Arbeitsquartier) und Dokumentation in Text und analytischen Skizzen (Fokus: Stadtraum / Architektur + Akteure / Prozess)
3) Praxisbezug durch Gastreferenten/ ggf. Exkursion sowie mehrere interaktive Workshops (Themen u.a.: Reflexion eigene Entwurfs-/Planungshaltung; Prozessgestaltung; Akteure; (Ziel-)konflikte)
Das Seminar findet in Kooperation mit Claudia Georgius; KoWerk Stuttgart statt, die Expertin für integrale/kooperative Planung ist.

(1) https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/downloads/DE/veroeffentlichungen/2020/eu-rp/gemeinsame-erklaerungen/neue-leipzig-charta-2020.pdf

Lehrpersonen: Dr. Britta Hüttenhain
Termin: Freitags, 9.45 bis 13 Uhr
Ersttermin: Fr 21.10.2022
Ort: wird noch bekannt gegeben
Anmeldung: siehe Informationen der Fakultät sowie Angaben in C@MPUS

Städte und Stadtquartiere sind ein lebendiges Geschichtsbuch. Sie unterliegen einem steten Wandel und halten einen großen Reichtum an städtischen Phänomenen bereit. Wir begeben uns auf eine Entdeckungsreise und legen den Fokus auf das 20. Jahrhundert. 
Wir befassen uns in Vorlesungen und Selbststudium mit den ideengeschichtlichen Entwicklungslinien der Europäischen Stadt sowie wegweisen-den gebauten Quartieren überwiegend in Deutschland. Während des Semesters erarbeiten wir uns sukzessive ein Verständnis der prägenden Leitbilder, wichtiger Stadtmacher:innen, unterschiedlichen Stadtstrukturen und ihren atmosphärisch-räumlichen Qualitäten, die im Stadtgrundriss, den Stadträumen oder auch Gebäuden einer Stadt ablesbar sind. 

Die Annäherung an die Stadtbaugeschichte des 20. Jahrhunderts erfolgt auf unterschiedliche Weise: 
­- wöchentliche Vorlesungsinputs sowie an Einzelterminen Textarbeit
­- studienbegleitend Analyse zeittypischer Referenzprojekte 
(Studienleistung: Kurzreferat + schriftliche Ausarbeitung in Text und Bild mit eigenen prägnanten analytischen Zeichnungen)
­- kleine Exkursionen in Stuttgart (soweit möglich)

Das Seminar lebt von einer aktiven Beteiligung aller, d.h. die Seminartermine werden so gestaltet, dass neben inhaltlichen Inputs der Lehrperson / Gästen / studentischen Referaten, auch der Austausch unter Studierenden gefördert wird, um ein voneinander und miteinander lernen sicherzustellen.

LEHRE ARCHIV - VERGANGENE SEMESTER

Lehrpersonen: Prof. Dr. Laura Calbet; Dipl.-Ing. Isabelle Willnauer
Termin: Dienstags, 13:00  - 18:00 Uhr

Der Verein Chloroplast ist ein interdisziplinäres Experimentierfeld und schlägt eine Brücke zwischen Urban Gardening, Handwerk und Kultur. Er bespielt aktuell ein Gewächshaus, das Außengelände und ein Bestandsgebäude auf dem Walz-Areal im Stuttgarter Bezirk Weilimdorf als Zwischennutzung. Chloroplast Stuttgart kooperiert mit der Stadt, die Eigentümerin des Gebiets ist. Das Gebiet liegt räumlich isoliert, hat aufgrund seiner Lage jedoch das Potenzial ein Scharnier zwischen den nahegelegenen Wohnsiedlungen Giebel und Wolfbusch, bis hin zum Weilimdorfer Ortskern zu bilden. Die Stadt will das Gebiet nun städtebaulich entwickeln, denn das Areal bietet große Entwicklungschancen für den Stadtbezirk. 

Im Entwurfsstudio soll gemeinsam mit Chloroplast ein städtebauliches Nutzungskonzept entworfen und kurz- bis längerfristige Entwicklungsphasen definiert werden. Dazu wird zunächst ein strategisches Stadtentwicklungsprogramm erarbeitet, dass sowohl den Bestand funktional ergänzt als auch neue Impulse im vorliegenden peripheren Kontext setzt. Auch ein Prozess-Design zur Koproduktion des Gebiets, das Chloroplast eine Verstetigungsperspektive bietet und in die Entwicklung einbindet, ist Gegenstand der Arbeit im Studio. 

Lehrpersonen: Prof. Dr. Laura Calbet, Dr. Tino Buchholz 
Termin: Mittwochs, 09.45 - 13.00 Uhr

Wer definiert, wer macht, wem gehört Stadt? Just City? Mit diesen Fragen setzen sich Stadt- und Planungstheorie seit jeher auseinander. Im Zentrum steht der Streit um die Gute Stadt, wer was gut findet und die Frage, wie die Zukunft des Städtischen aussehen soll. Just City bewegt sich im Spannungsfeld der Gerechtigkeit, der Beliebigkeit und marktförmiger Stadtentwicklung: Ist Stadt mehr als poetische Investorenarchitektur? Welche Formen urbaner Ungleichheit werden von welchen Akteur:innen angefochten? Wie positioniert sich die Stadtplanung? 

Anhand multipler Bedeutungen, intersektionaler Konfliktlinien, dominanter Hypes (kreative, smarte, resiliente Stadt) und der wiederkehrenden Infragestellung von Planung fokussiert das Seminar drängende Fragen der Städte. Wofür stehen global city, die europäische, die diverse, die informelle, rebellische, weibliche, sanfte Stadt? Mit Blick auf verschiedene Normen und Akteure sozialer Raumproduktion (Stadtpolitik, Stadtplanung, Stadtgesellschaft) fokussieren wir unterschiedliche Rationalitäten der Stadtentwicklung und stellen sie mit bedeutsamen gesellschaftlichen Fragen in Verbindung. Just City.

Die Annäherung an zentrale Theorien und Debatten in der Stadt- und Planungstheorie erfolgt in Gruppenarbeit auf folgende Weise:
- Auseinandersetzung mit thematischen Inputs und (auch englischer) Literatur
- Analyse, Referat und Textbeitrag zu einer ausgewählten Debatte
- Dialog und Reflexion zu Querschnittsthemen (Neoliberalismus, Wohnungsfrage, Feminismus, Migration, etc.)
In einem zweiten Schritt interpretiert jede Gruppe eine konkrete städtische Entwicklung anhand der beleuchteten Debatten und skizziert ein drängendes Thema für die Stadtentwicklung.

Wenn möglich findet in der Pfingstwoche eine mehrtägige Exkursion nach Berlin statt.

Lehrpersonen: Dr. Britta Hüttenhain, (Kooperation mit Markus Weismann)
Termin: Donnerstags, 14.00 - 17:30 Uhr (einzelne Termine 15.30 bis 18.30 Uhr)

Experten sind sich einig, dass wir uns in einem umfassenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Transformationsprozess befinden, der viele Bereiche unseres Lebens grundlegend verändert. Der Wandel wird seinen Ausdruck auch in neuen Architekturen und Stadtstrukturen finden.
Während in der historischen Stadt Wohnen, Arbeiten, Bildung, Freizeit eng verwoben waren, hat die Stadt der Moderne die Funktionen getrennt. In jüngster Zeit rückt jedoch die Idee einer vernetzten Stadt mit funktional gemischten Quartieren wieder ins Blickfeld von Architekt:innen und Stadtplaner:innen. 
Wir wollen im Seminar den Blick auf Innovations- und Wissensorte (Hightech-Firmenareale, Hochschulstandorte, Kreativquartiere) richten und stellen uns die Frage, wie die Anforderungen aus Wissenschaft – Wirtschaft – Gesellschaft erfasst und städtebaulich so verwoben werden können, dass diese Quartiere einen Beitrag zu "gerechten, grünen und produktiven Städte"1 leisten. Dabei werden wir den aktuellen Stand des Fachdiskurses (Zukunft der Arbeit; Anforderungen der Wissensarbeitenden an ihr Umfeld; Typologien im Wandel; Transformationsprozesse gestalten; Strategische Stadtentwicklung) reflektieren, werden unterschiedliche Quartiere in Text und Bild analysieren (Fokus: Stadtraum/Architektur + Akteure/Planungsprozess), um zum Abschluss des Seminars an einem Praxisbeispiel den Blick in die Zukunft zu richten und das erworbene Wissen anzuwenden. 
Das Seminar findet in Kooperation mit Markus Weismann (asp Architekten und Leitung Strategiegruppe Neue Arbeitswelten der Architektenkammer) statt. Wie wir die Expertise der Wissenschaft und der Praxis im Seminar geschickt verweben, wird zu Beginn des Seminars bekannt gegeben. 
Wir nutzen verschiedene Lehr-/Lernformate: (Gast-)Vorträge, Literaturstudium, Analyse von Projekten, Workshops und Dialog mit Vertreter:innen aus der Praxis.

(1) vgl. Neue Leipzig Charta der EU – https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/downloads/DE/veroeffentlichungen/2020/eu-rp/gemeinsame-erklaerungen/neue-leipzig-charta-2020.pdf

Lehrpersonen: Dr. Britta Hüttenhain
Termin: Freitags, 9.45 bis 13 Uhr

Städte und Stadtquartiere sind ein lebendiges Geschichtsbuch. Sie unterliegen einem steten Wandel und halten einen großen Reichtum an städtischen Phänomenen bereit. Wir begeben uns auf eine Entdeckungsreise der Stadtbaugeschichte des 20. Jahrhunderts.
Die Vorlesungen und ausgewählten Fachartikel befassen sich mit den  Elementen, Stadtbausteinen und Strukturen der Europäischen Stadt  sowie den prägenden gesellschaftlichen Einflüssen. 
Die Annäherung an die Stadtbaugeschichte erfolgt auf folgende Weise: 
­ – Vorlesungsinputs und/oder Dialog über Fachliteratur
­ – studienbegleitend Analyse zeittypischer Stadtquartiere
(Studienleistung: Kurzreferat + anschließende Ausarbeitung)
­– Dialog und Reflexion über Querschnittsthemen wie städtebauliche Ge-bäudetypologie, Wohn-/Freiraumqualitäten oder städtebauliche Dichte
­– wenn möglich findet in der Pfingstwoche (Di 7.06.-Sa 11.06.) eine mehrtägige Exkursion nach München (optional)
Bei den Quartiersanalysen werden die gesellschaftlichen und städtebauli-chen Vorstellungen/Leitbilder der Entstehungszeit entschlüsselt und es werden die atmosphärisch-räumlichen Qualitäten des jeweiligen Quartiers erfasst und in analytischen Zeichnungen prägnant dargestellt. 
Bei den Seminarterminen achten wir darauf, dass Austausch und Wissenstransfer stattfinden, d.h. wir bilden immer wieder unterschiedliche Dialoggruppen damit jede(r) am Ende des Seminars sowohl die charakteristischen Merkmale/Leitbilder von Stadtquartiere im 20. Jahrhundert kennt, als auch ein kleines Repertoire an konkreten Projekten.

Lehrpersonen: Prof. Dr. Laura Calbet; Dipl.-Ing. Isabelle Willnauer
Termin: Dienstags, 9:00  - 15:00 Uhr

Betongold – in einem vom Wachstumsparadigma getriebenen Finanzkapitalismus ist Spekulation ein wesentlicher Motor der Stadtentwicklung. Folgen sind nicht nur steigende Immobilienpreise, sondern auch ein enormen Ressourcenverbrauch, sowohl an Flächen als auch beim Bau. Postwachstumstheorien sehen in der Abkehr vom Wachstumsparadigma den Schlüssel, um den menschengemachten Klimawandel abzumildern.

Ausgehend von einer Auseinandersetzung mit den Phänomenen der Spekulation und der Finanzialisierung, erkundet der Entwurf wie die Rolle des Bodens im Kapitalismus mit der Umweltzerstörung und dem Klimawandel zusammenhängen. Als Grundlage für die konzeptionelle Arbeit im Entwurf nehmen wir die Postwachstumsdebatte: Was könnten die Prinzipien einer Postwachstumsökonomie für die Stadtentwicklung bedeuten? Wie könnte eine Postwachstumsplanung aussehen? Auf diese Fragen sollen konzeptionelle Antworten entwickelt und auf dem EnBW-Areal „Neckarufer“ in Stuttgart-Ost ausformuliert werden.

Die EnBW entwickelt aktuell ihr ehemaliges Betriebsgelände „Stöckach“ zu einem Wohnquartier. Dies kann als Pilotprojekt für den Wandel des Unternehmens, weg von seinem Kerngeschäft als Energieversorger hin zum Immobilienentwickler und „ganzheitlichen Infrastrukturdienstleister“ verstanden werden und lässt eine wirtschaftliche Verwertung des 40 Hektar großen Geländes am Neckarufer wahrscheinlich erscheinen. Ziel des Entwurfs wird auch sein, solche Praktiken zu hinterfragen und in Alternativen jenseits des Wachstumsparadigmas zu denken.   

Leistungen:
- Auseinandersetzung mit thematischen Inputs und Literatur (auch englischsprachig)
- Analyse und Präsentation zu immobilienwirtschaftlichen Geschäftsstrategien und Postwachstum
- Konzeptioneller Entwurf einer ‚Postwachstumsplanung‘ auf dem EnBW-Areal Neckarufer, Stuttgart-Ost

Lehrpersonen: Prof. Dr. Laura Calbet, Dr. Tino Buchholz 
Termin: Mittwochs, 09.45 - 13.00 Uhr

Lehrinhalt
Der Countdown läuft, Projekte nehmen Gestalt an: Unter dem Motto „Produktive Stadtregion“ hat die IBA’27 Stuttgart ihren thematischen Schwerpunkt festgelegt. Damit stellt sich die IBA einer relevanten Aufgabe, die stadtgesellschaftlicher Resonanz bedarf. Die Erwartungen der Stadtregion und der Fachdisziplinen sind nicht unbeträchtlich: so erwartet man von einer IBA nicht nur Lösungen für eine inhaltliche Aufgabe, sondern auch die Infragestellung stadtpolitischer Prozesse und das Erproben neuer Planungsansätze. 

Was also kann IBA? Wie verändert die IBA die Stadtregion, oder aber Stuttgart die IBA? Im Zuge parallel stattfindender IBAs (Heidelberg, Stuttgart, Basel, Wien, Parkstad, Thüringen) stellt sich auch die Frage der Veränderung des schillernden Formats an sich: Ist die IBA 27 eine unter vielen, oder wird sie in der Lage sein, tradierte Denkmuster und Machtverhältnisse etablierter Stadtpolitik und Planung zu verändern? 

Im Spannungsfeld urbaner Experimente vs. Marke IBA untersucht das Seminar die Ansprüche und Erwartungen an die Königsdisziplin der Stadtplanung. Im Zentrum steht die Relevanz und Resonanz von IBA in der Stadtgesellschaft anhand vergangener Beispiele wie der IBA Berlin, IBA Emscher-Park oder IBA Hamburg und analysiert die IBA Stuttgart und IBA Wien auf ihr Veränderungspotential. 


Leistungen: 
- Auseinandersetzung mit thematischen Inputs und (auch englischer) Literatur 
- Analyse, Referat und Textbeitrag über eine vergangene IBA
- Beitrag zur Vorbereitung einer Tagung anlässlich zunehmend parallel stattfindender IBAs
- Verfassen eines gemeinsamen Positionspapiers zum Verhältnis von IBA, Planung und Stadt 

Lehrpersonen: Dr. Britta Hüttenhain
Termin: Montags, 14.00 - 17:30 Uhr

Städte und Stadtquartiere sind ein lebendiges Geschichtsbuch. Sie unter-liegen einem steten Wandel und halten einen großen Reichtum an städtischen Phänomenen bereit. Wir begeben uns auf eine Entdeckungsreise der Stadtbaugeschichte und richten den Fokus auf das 20. Jahrhundert. 
Dabei gehen wir zum einen den ideengeschichtlichen Entwicklungslinien sowie prägenden Leitbilder der Europäischen Stadt auf den Grund und zum anderen erarbeiten wir uns ein Verständnis der unterschiedlichen Zeitschichten, die im Stadtgrundriss, den Stadträumen oder auch der 
Architektur einer Stadt ablesbar sind. 
Die Vorlesungen und Fachartikel befassen sich mit den Elementen und Strukturen der Europäischen Stadt sowie den prägenden gesellschaftlichen Einflüssen der letzten 150 Jahre. 
Die Annäherung an die Stadtbaugeschichte erfolgt auf folgende Weise: 
­– wöchentliche Vorlesungsinputs und/oder Dialog über Fachliteratur
­– studienbegleitend Analyse wichtiger ‚Stadtmacher:innen‘ des 20. Jhd. und Ihrer ‚Werke‘ (zeittypischer Stadtquartiere)  (Studienleistung: Kurzreferat + anschließende Ausarbeitung)
­– Dialog und Reflexion über Querschnittsthemen wie öffentlicher Raum; städtebauliche Dichte; Wohn-/Freiraumqualitäten
­– wenn möglich finden optional kleine Exkursionen statt
Bei den Stadtmacher:innen sowie Quartiersanalyse werden die gesellschaftlichen und städtebaulichen Vorstellungen der Entstehungszeit und somit die Stadtkonzepte entschlüsselt, die atmosphärisch-räumlichen Qualitäten des jeweiligen Quartiers erfasst und in eigenen Zeichnungen prägnant dargestellt. 
Im Seminar achten wir darauf, dass Austausch und Wissenstransfer statt-finden, damit jede(r) am Ende des Seminars ein Repertoire an Stadtmachern, ihren Ideen und realisierten Stadtquartieren kennt.

Lehrpersonen: Dr. Britta Hüttenhain, Claudia Georgius
Termin: Donnerstags, 14.00 - 17:30 Uhr

Während in der historischen Stadt Arbeiten und Wohnen koexistieren, trennt die Stadt der Moderne die Funktionen, überlässt die Entwicklung dem Markt und behandelt die Orte des Arbeitens überwiegend stiefmütterlich. In jüngster Zeit –begünstigt durch die Covid-19 Pandemie– rückt die Idee der ‚Produktiven Stadt‘ mit attraktiven urbanen Arbeitsorten, in der Gewerbe, Industrie, Freizeit und Wohnen enger verwoben werden, wie-der ins Blickfeld der Planer/Unternehmen – so auch bei der IBA’27 Stadt-Region Stuttgart. Zudem werden die transformative Kraft der Städte für das Gemeinwohl und die drei Dimensionen der neuen Leipzig Charta1 der EU –gerechte, grüne und produktive Städte gestalten zu wollen – viel diskutiert. Im globalen Kontext wird verstärkt von Sustainable Development Goals (SDG) gesprochen und im Finanzsektor von ESG Rating (Environment, Social, Governance). 
Wir werden uns dem Themenfeld der Transformation von Arbeitsquartieren und den teils widersprüchlichen Interessen der an Planungsprozessen beteiligten Akteur:innen in drei Schritten nähern: 
1) Reflexion des Fachdiskurses zu den Dimensionen der Leipzig Charta (s.o.) aus unterschiedlichen Perspektiven (Städtebau; Immobilienökonomie; Planungskultur) und in unterschiedlichen Maßstabsebenen (Stadt, Quartier, Stadtraum, Gebäude, Arbeitsplatz) 
2) Erforschen und Dokumentieren von wegweisenden aktuellen Referenzprojekten der Transformation von Arbeitsquartieren in Text und Bild (Fokus: Stadtraum / Architektur + Akteure / Planungsprozess)
3) Anwendungsbezugs über ein Praxisbeispiel im Bereich kooperativer Planungskultur
Wie wir die Expertisen der Wissenschaft (Britta Hüttenhain) und der Praxis (Claudia Georgius; KoWerk Stuttgart) im Seminar geschickt 
verweben und welchen thematischen Fokus wir setzen, wird zu Beginn des Seminars bekannt gegeben. 
Wir nutzen verschiedene Lehr-/Lernformate: (Gast-)Vorträge, Literaturstudium, Analyse von Projekten, Workshops und Dialog mit Vertreter:innen aus der Praxis. 

(1) https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/downloads/DE/veroeffentlichungen/2020/eu-rp/gemeinsame-erklaerungen/neue-leipzig-charta-2020.pdf

Lehrpersonen: Prof. Dr. Laura Calbet; Dr. Tino Buchholz
Termin: Dienstags, 13:00  - 17:00 Uhr

Städte in Deutschland sind zunehmend mit einer Polarisierung der Wohnraumversorgung konfrontiert. Nachdem die Zuständigkeit der Wohnraumförderung seit 2006 den Ländern übertragen wurde, kann eine ‚Kommunalisierung der Wohnungspolitik‘ beobachtet werden. Planungsinstrumenten kommt hierbei eine wesentliche Rolle zu: Sie bilden die Grundlage für die Durchführung von Vorkaufsrechten, für die Anwendung des Milieuschutzes, für die Abschöpfung des Planungsmehrwerts etc. Hier setzt der Entwurf ein mit den Fragen: Welche Planungsinstrumente wenden Städte zur Steuerung der Wohnraumversorgung an? Welche Trägerschaften bieten Modelle der Wohnraumversorgung jenseits von Marktlogiken?  Wie wurde die Wohnungspolitik in Stuttgart in den letzten Jahren konkret gestaltet? Welche wohnungspolitischen Rationalitäten können daraus abgeleitet werden? 

Der Entwurf gibt einen Einblick in die Merkmale und den Aufbau der deutschen Wohnungspolitik, diskutiert die Umstände der ‚neuen Wohnungsfrage‘ und analysiert aktuelle Planungsinstrumente, mit denen Städte ihr begegnen. Auf dieser Grundlage sollen für wohnungspolitisch umkämpfte Standorte in Stuttgart Konzepte erarbeitet werden, bei denen mit Hilfe des Planungsinstrumentariums bezahlbarer Wohnraum geschaffen oder erhalten werden soll. Neben dem Erlernen von Planungsinstrumenten und der Auseinandersetzung mit einem wichtigen Politikfeld werden Fähigkeiten zur Recherche und Analyse geübt. 

Leistungen:
- Auseinandersetzung mit thematischen Inputs und Literatur (auch englischsprachig)
- Analyse und Präsentation zu einem Planungsinstrument und seiner Umsetzung in beispielhaften Städten
- Konzeptionelle Umsetzung des Planungsinstrumentes für einen Standort in Stuttgart 

Lehrpersonen: Prof. Dr. Laura Calbet, Dipl.-Ing. Isabelle Willnauer
Termin: Mittwochs, 09.45 - 13.00 Uhr

Von Fahrradfahrer*innen die ‚Critcal Masses‘ bilden, über Hausbesetzungen gegen Gentrifizierung und Finanzialisierung von Wohnraum, bis hin zum langjährigen Protest gegen Großprojekte wie S21 – städtische Konflikte sind allgegenwärtig. Die Widmung von und der gerechte Zugang zu Flächen hat angesichts neoliberaler Stadtentwicklungspolitiken in den letzten Jahrzehnten zunehmend Menschen mobilisiert, sich gegen konkrete Planungsvorhaben oder für alternative Ziele einzusetzen. Diese Entwicklung beobachten wir allen Partizipationsbestrebungen zum Trotz! 
Woran liegt es, dass Konflikte in der Planung immer häufiger zu Protesten und sozialen Bewegungen eskalieren, obwohl Bürgerbeteiligung schon längst erklärtes politisches Ziel, und formal verankert ist und obwohl die angewandten Partizipationsformate immer differenzierter werden? Wieso scheinen Konflikte – werden sie nicht frühzeitig moderiert – viel eher disruptive als transformative Kraft zu entfalten? 

Im Seminar wollen wir die Rolle von Konflikten in der Planung erkunden. Wir werden dabei eine Perspektive einnehmen, die Konflikte als ‚blinden Fleck‘ der Partizipation interpretiert und davon ausgehend assoziierte Diskurse (u.a. um die neoliberale Stadt, Postpolitik, Agonismus) sowie Konflikttheorien aus Politik- und Sozialwissenschaften reflektieren. Daneben soll die Analyse konkreter konflikthafter Planungssituationen Einblicke eröffnen, wie sich Konflikte konkret äußern und wie sie wirken. Auf dieser Grundlage werden wir diskutieren, wie Planung mit Konflikten umgeht und wie sie demokratischer gestaltet werden kann. Eine Leitfrage wird sein, ob und inwiefern Konflikte als Schlüssel für eine Transformation von Planung gesehen werden können. 

Leistungen: 
- Auseinandersetzung mit thematischen Inputs und (auch englischer) Literatur 
- Referat und Textbeitrag über eine Konflikttheorie
- Analyse einer konflikthaften Planungssituation
- Verfassen eines gemeinsamen Positionspapiers zum Verhältnis von Planung und Konflikt

Lehrpersonen: Dr. Britta Hüttenhain
Termin: Montags, 14.00 - 17:30 Uhr

Städte und ihre Quartiere sind ein lebendiges Geschichtsbuch, die einem steten Wandel unterliegen und einen großen Reichtum an städtischen Phänomenen bereithalten.
Wir begeben uns auf eine Entdeckungsreise, erforschen Stadtquartiere, gehen ihrem ideengeschichtlichen Wandel nach, befassen uns mit charakteristischen Stadtbausteinen sowie der Wechselbeziehung von Stadt > Quartier > Gebäude. So gehen wir den Entwicklungslinien der Europäischen Stadt auf den Grund und erarbeiten uns ein Verständnis der unterschiedlichen Zeitschichten, die im Stadtgrundriss, den Quartieren oder auch der Architektur ablesbar sind.

Wir nähern uns der Stadtbaugeschichte auf verschiedene Weise:
– wöchentliche Vorlesungsinputs und/oder Dialog über Fachliteratur
– studienbegleitend Analyse von zeittypischen Stadtquartieren die mit Kurzreferaten von Ihnen präsentiert werden. Wir befassen uns vorauss. mit Quartieren in der Region Stuttgart (z.B. in Esslingen, Ludwigsburg, Sindelfingen), um Besichtigungen zu ermöglichen).
– Dialog und Reflexion über Querschnittsthemen wie Öffentlicher Raum; Städtebauliche Dichte; Wohn-/Freiraumqualitäten
– wenn möglich finden kleinere gemeinsame Exkursionen statt

Die Vorlesungen und Textauszüge befassen sich mit Einflüssen, Elementen und Strukturen der Europäischen Stadt. Der Fokus liegt dabei auf den städtebaulich-stadträumlichen Qualitäten und dem Wandel der Leitbilder in den letzten gut 150 Jahren.

Bei der Quartiersanalyse geht es darum, die atmosphärisch-räumlichen Qualitäten des jeweiligen Quartiers zu erfassen und in eigenen Zeichnungen unterschiedlicher Maßstäbe darzustellen. Dabei geht es auch darum die gesellschaftlichen und städtebaulichen Vorstellungen der Entstehungszeit zu entschlüsseln.

Im Seminar achten wir darauf, dass ein Austausch zwischen den Projekten stattfindet, damit Sie am Ende des Seminars ein Repertoire an Quartieren kennen.

Lehrpersonen: Dr. Britta Hüttenhain
Termin: Donnerstags, 14.00 - 17:30 Uh

Städte und Stadtquartiere unterliegen einem steten Wandel und so ist die zukunftsfähige Weiterentwicklung von Bestandsquartieren eine wichtige Aufgabe für Architekt*innen und Stadtplaner*innen. Stadt zu planen und zu entwerfen bedeutet, sich einzulassen auf unter-schiedliche Kulturen, Orte und Programme. Dabei geht es auch darum der Frage »Wie und wo wollen wir wohnen und arbeiten?« einen räumlichen Ausdruck und strategischen Entwicklungsrahmen zu geben. Im Fokus dieses Seminars steht die Weiterentwicklung von Produktionsstandorten zu produktiven und vernetzten Stadtquartieren. 
Orientiert an wegweisenden Referenzprojekten der letzten Jahre werden Arbeitsorte in der Stadt analysiert. Fragen die wir uns stellen sind u.a.: 
– Wie gelingen eine zukunftsfähige und identitätsstiftende Transformation und welche Mischung und Dichte ist angemessen?
– Wie gelingt es von der Idee zur Umsetzung zu kommen? 
– Welche Rolle haben Architekt*innen und Stadtplaner*innen bei der Transformation von Quartieren? 
Ziel des Seminars ist es mit Ihnen ein Spektrum an Transformationsprojekten zu erarbeiten, um dann an einem konkreten IBA’27-Projekt – dem Quartier Neckarspinnerei – das erarbeitete Wissen anzuwenden. 
In einem letzten Schritt werden die Praxiserfahrungen wiederum im Kontext des Fachdiskurses reflektiert.
Wir nutzen trotz Online-Lehre verschiedene Lehr-/Lernformate: 
(Gast-)Vorträge, Literaturstudium, Analyse von Projekten, Workshops und Diskurs mit Praxispartnern. Wenn möglich finden kleine Exkursionen statt.

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