ZUKUNFTSQUARTIER MILBERTSHOFEN Städte und ihre Gewerbegebiete befinden sich in einem umfassenden Transformationsprozess, dessen Auslöser mit den Schlagworten „Digitalisierung und Industrie 4.0“ beschrieben werden kann. Für die räumliche Entwicklung zeigen sich Flächenkonkurrenzen verschiedener Nutzungen, Verdichtungsprozesse oder auch neue Anforderungen an Mobilität und Freiräume, die auf verschiedenen Ebenen (Architektur, Stadtraum, Planungsprozess) gestaltet werden wollen. Die Handlungsdimension der „produktiven Stadt“, die auf eine stärkere Verschränkung von Funktionen und Lebensbereichen ausgerichtet ist gewinnt seit geraumer Zeit an Bedeutung (siehe auch IBA’27 Stuttgart1). Im Zentrum des Entwurfs steht die Entwicklung eines gemischt genutzten Stadtquartiers, das innovative Lösungen für nachhaltige Mobilitätskonzepte, soziale Durchmischung, ökologische Qualität und funktionale Vielfalt aufzeigt und sicherstellt, dass weiterhin im Quartier produziert wird und mit den vorhandenen baulichen Strukturen und ihrer grauen Energie gewissenhaft umgegangen wird. Verortet ist der Entwurf am Frankfurter Ring im Münchner Norden für den eine „Neue Mitte Milbertshofen“ entstehen soll, die Wohnen, Arbeiten und Produktion in einem dichten, urbanen Gefüge zusammenführt. Der Rahmenplan „Gewerbegebiet Frankfurter Ring“ weist zwei Teilbereiche aus: Im Teilgebiet „Wohnen & Leben“ liegt der Fokus auf der Aufwertung und Weiterentwicklung des bestehenden Wohnumfelds. Im Teilgebiet „Netzwerke & Synergien“ steht die Transformation eines bestehenden Gewerbestandorts in ein zukunftsfähiges, urbanes Business-Cluster im Mittelpunkt. Der Rahmenplan ist Ausgangsbasis für die studentischen Entwurfskonzepte, darf jedoch konzeptionell-strategisch kritisch hinterfragt und modifiziert werden. Leistungen - Beschäftigung mit innovativen Projekten und Studien (von der „Nebeneinander- zur Miteinander-Stadt“2) sowie dem Fachdiskurs zum Wandel der Arbeitswelt und Entwicklung produktiver Stadtquartiere, die in einen gemeinsamen Reader münden. - Städtebaulicher Entwurf (1:1.000) und Konzeptdiagramme (1:2.500/ 1:5.000) mit detaillierter Ausarbeitung beispielhafter Lupen (1:500) in Plänen und Modell (Endabgabe vsl. KW6/2026; Details siehe Handout) - Gemeinsame Exkursion Mi 29.10.25 nach München (Start 10 Uhr; Ende 19.30 Uhr) mit Besichtigung von Referenzprojekten (u.a. Werksviertel) (1) vgl. https://www.iba27.de/wissen/iba27/themen-und-raeume UND www.iba27.de/projekte (2) vgl. DAB 12/2023 https://www.akbw.de/fileadmin/download/Freie_Dokumente/DABregional/DAB_BW_2023_12_WEB.pdf
STADTBAUGESCHICHTE – STADT UND STADTQUARTIERE IM WANDEL DER ZEITEN
Städte und Stadtquartiere sind ein lebendiges Geschichtsbuch. Sie unterliegen einem steten Wandel und halten einen großen Reichtum an städtischen Phänomenen bereit. Das Seminar ist eine Entdeckungsreise der Stadt des 20. Jahrhunderts. In Vorlesungen und Selbststudium werden die ideengeschichtlichen Entwicklungslinien der Europäischen Stadt, städtebauliche Leitbilder sowie wichtige Stadtmacher:innen erforscht. Zudem werden wegweisende Quartiere, unterschiedliche Stadtstrukturen/ Stadträume/ Stadtbausteine sowie atmosphärisch-räumlichen Qualitäten erkundet. Im Verlauf des Semesters erarbeiten Sie sich ein fundiertes Wissen über Wechselbeziehungen zwischen Haus <=> Stadtraum <=> Quartier <=> Stadt und können reflektierte Antworten geben, um Städte zukunftsfähig weiterzuentwickeln. Das Seminar lebt von einer aktiven Arbeitsatmosphäre, d.h. Seminartermine werden so gestaltet, dass neben inhaltlichen Inputs von Lehrenden/ Gästen, der Austausch und Wissenstransfer unter Studierenden gefördert wird. Das Seminar hat folgende Bestandteile: - wöchentliche Vorlesungsinputs - studienbegleitende Analyse von Referenzprojekten (Studienleistung: Kurzreferat + schriftliche Ausarbeitung in Text und Bild mit eigenen prägnanten analytischen Darstellungen) - gemeinsame Workshops unterschiedlicher Quartiere im Vergleich (Aspekte: städtebauliche Gebäudetypologie, Wohn-/ Freiraumqualitäten, städtebauliche Dichte) - Dialoge über Schlüsseltexte (Auszüge aus Primärquellen) - kleinere Exkursion(en) während der Seminarzeit in Stuttgart und Region
SI_Seminar_WS2526_Surplus City – Stadt im Überfluss?
LV-Nr.:
311254201
Vortragende:
Univ.-Prof. Dr. phil. Laura Calbet Elias
Christian Molter
Sarah Thiel
Art:
Seminar
Semesterwochenstunden:
4
Unterrichtssprache:
Deutsch
Semester:
WS 25/26
Organisationsname:
Städtebau-Institut
Inhalt:
Surplus City – Stadt im Überfluss?
In Zeiten zunehmender ökonomischer Verwertungslogiken wird auch die Stadt und ihr Boden immer häufiger zum Anlageobjekt. Sie ist somit nicht nur Lebensraum, sondern auch ein Ort kapitalistischer Wertschöpfung. Eigentumslogiken, Spekulation und Finanzialisierung verstärken das Ausmaß sozialer Ungleichheit. Untersuchungen, wer die Profiteur:innen der städtischen Rendite sind, und wie der erzeugte Überschuss verteilt wird, rücken daher zunehmend in den Fokus kritischer Stadtforschung. Inwiefern profitieren die Bewohner:innen selbst von ihrer Stadt – und in welchem Maß bestimmen investitionsgetriebene Interessen die Transformation urbaner Räume?
Durch Zuhilfenahme einer polit-ökonomischen Perspektive der Aushandlungen im urbanen Raum, fokussiert das Seminar – anhand Schlagwörter wie Eigentum, Finanzialisierung und Kommodifizierung – drängende Fragen der Stadtplanung. Hierbei gehen wir u.a. auf Ansätze der sozial-ökologischen Transformation und der feministischen Care Ökonomie ein, die den Status Quo in Frage stellen. Ausgehend von einer theoretischen Auseinandersetzung, externer Inputs und von Workshopformaten ist es Aufgabe im Seminar, stadtökonomische Prozesse in Stuttgart (und Umgebung) kritisch zu reflektieren und anwendungsbezogene und praxisnahe Analysen zu erstellen. Hierbei setzen wir einen Schwerpunkt auf den Wissens- und Praxistransfer.
Die Aufgaben werden im Seminar in Gruppenarbeit bearbeitet: - Auseinandersetzung mit thematischen Inputs und (auch englischer) Literatur zu polit-ökonomischen Diskussionen um Stadt und Boden. - Durchführung eines Seminarformats (z.B. Referat, Workshop) zu einem gewählten Themenfeld/Schlagwort - Anwendungsbezogene Untersuchung im Raum Stuttgart - Ausformulierung eines Beitrags zum Wissens- bzw. Praxistransfer