Untersuchung Genderspezifischer Hierarchien im Stadtraum
Städte reproduzieren Geschlechterungerechtigkeit. Ob im Wohnalltag, in der Ausformulierung der Stadtstrukturen und -infrastrukturen oder Entwicklungsprozessen – Hierarchien und Diskriminierung haben sich in Städte eingeschrieben. Betroffene fordern wiederholt ihre Teilhabe an der Stadt ein, treffen aber allzu oft auf Gruppen, die ihre Privilegien um jeden Preis verteidigen. Identitätspolitische Kämpfe stehen dabei immer vor dem Paradox mehr Sichtbarkeit für die betroffene Gruppe generieren und gleichzeitig gerade die diskriminierende Kategorisierung überwinden zu wollen. Stadtplanung begibt sich in diese Ambivalenz, wenn sie versucht, gerade auf die spezifischen Bedürfnisse diskriminierter Gruppen einzugehen. Denn jede*r weiß, dass breitere und abgesenkte Bürgersteige den Weg der Gleichberechtigung kaum ebnen werden.
Ziel des Seminars #UrbanToo war es im Stadtraum Geschlechterverhältnisse aus einer queeren, feministischen und/oder kritische Männlichkeitsperspektive mithilfe empirischer Stadtforschung zu untersuchen. Methoden der geografischen Feldforschung wurden dabei angewandt, um hierarchisierende Situationen und Prozesse im urbanen Gefüge intersektional sichtbar zu machen und zu analysieren.
Im Rahmen ihrer sozial-räumlichen Analysen verknüpften die Studierenden verschiedene Gender-relevante Themen mit unterschiedlichen Orten in Stuttgart: Auf dem Rathausplatz in Vaihingen wurden die räumlichen Bedingungen von Care-Arbeit untersucht. Anhand des unteren Schlossgartens sowie des Bahnhofs Bad Cannstatt reflektierten zwei Gruppen kritisch die Ambivalenz von Sicherheitsdiskursen. Sichtbarkeits- und Sicherheitslogiken queerer Räume erforschte eine weitere Gruppe im Zusammenhang mit der Weißenburg. Und auf dem Rotebühlplatz konnten geschlechterspezifische Unterschiede in der Wahrnehmung und Verarbeitung von Reizen nachgewiesen werden.
Im weiteren Verlauf der Lehrveranstaltung wurden zudem die Möglichkeiten und Grenzen von Identitätspolitiken in der Planung reflektiert und zusammen mit den Ergebnissen der Feldforschung diskutiert.
Mitwirkende
Studierende: Stefanie Baumann, Babel Dahmash, Yuewen Ding, Michael Feller, Tristan Goldbach, Mareike Heitmüller, Luis Henzler Carrascal, Chiara-Maria Keim, Ida Letic, Lilian Paczkowski, Elham Pourjabbari Khameneh, Camilla Rühl, Martin Struller
Betreut durch: Prof. Dr. Laura Calbet, Sarah Thiel
Seminar im Wintersemester 2023/24
Booklet #UrbanToo
Aufbauend auf den Fragestellungen des Seminars ist das Booklet #UrbanToo entstanden, das Methoden ethnografischer Stadtforschung vermittelt. Den Leser*innen wird mit der Broschüre eine Anleitung an die Hand gegeben, um selbst die Stadt auf genderspezifische Machtverhältnisse hin zu erforschen.
Weiter Informationen zum Booklet finden Sie hier: https://www.si.uni-stuttgart.de/tms/portfolio/urbantoo_booklet/
Das Booklet kann zudem unter folgendem Link eingesehen und heruntergeladen werden: https://doi.org/10.18419/opus-17171