Öffentlich Leben

Sommersemester 2025

Masterarbeit von Michael Feller

Welche Auswirkungen hat Planungshandeln auf Menschen, die ihren Alltag im öffentlichen Raum gestalten müssen?

Für die meisten Menschen sind öffentliche Räume Orte der Begegnung, des Verkehrs oder der Freizeit – für manche sind sie jedoch der letzte Ort, der ihnen bleibt. Menschen mit dem Lebensmittelpunkt öffentlicher Raum organisieren hier ihr Überleben: Sie schlafen, essen, arbeiten oder pflegen soziale Beziehungen. Gleichzeitig findet dieses Überleben in Räumen statt, die ihre Lebensrealität nicht anerkennen. Stattdessen müssen Betroffene durch feindliche Architektur, ordnungsrechtliches Handeln und soziale Kontrolle tägliche Verachtung erfahren. Als Planer:innen nehmen wir großen Einfluss auf öffentliche Räume und damit auf die Orte, in denen andere ihr Überleben organisieren müssen – oft ohne ausreichendes Wissen über ihre Lebensrealität.

Die Arbeit Öffentlich Leben stellt diese häufig übersehene Perspektive in den Mittelpunkt. Nach einer theoretischen Annäherung untersucht sie am Beispiel der Landeshauptstadt Stuttgart, wie öffentliche Räume von Menschen mit dem Lebensmittelpunkt öffentlicher Raum genutzt und wahrgenommen werden. Auf Grundlage ethnografischer Feldforschung zeigt die Arbeit, wie komplex, zeitaufwendig und individuell das Überleben im öffentlichen Raum organisiert wird. Gleichzeitig macht sie sichtbar, wie Orte entstehen, die mehr sind als bloße Notwendigkeiten und als Zuhause verstanden werden – etwa der Garten im Park oder das Wohnzimmer unter der Brücke.

Darauf aufbauend macht die Arbeit die weitreichenden Konsequenzen sichtbar, die Verdrängungsprozesse für Menschen mit dem Lebensmittelpunkt öffentlicher Raum haben. Eingebettet in gesellschaftliche und strukturelle Faktoren kann Planungshandeln sowohl durch bewusst eingesetzte Maßnahmen als auch durch unbeabsichtigte Folgen zu Verdrängung führen. Dadurch werden nicht nur komplexe Netzwerke der Alltagsorganisation eingeschränkt, sondern es kann ebenso zum Verlust eines Zuhauses kommen.

Aus der daraus entstehenden moralischen Verantwortung entwickelt die Arbeit die Methode der Aufsuchenden Planung. Sie zielt darauf ab, Planungshandeln zu verändern, von Betroffenen zu lernen und ihnen tatsächliche Handlungsmacht zu geben: Denn wer Stadt plant, gestaltet immer auch die Bedingungen, unter denen Menschen leben – oder überleben müssen.

Betreut durch: Prof. Laura Calbet, Prof. Leonie Fischer 

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