Kulturschutzgebiet Bahndirektion
Commons haben in Stuttgart nur wenig Raum. Die Containercity muss(te) weichen! Und hinter der Bahndirektion am Hauptbahnhof ist viel Platz! Die Rechnung ist leicht, die Containercity kann umziehen und mit weiteren Commons den Ort transformieren. Wie kann dieser Prozess aussehen?
Im Zuge fortschreitender Privatisierung und Kapitalisierung von Städten kommen gemeinwohlorientierten Räumen eine besondere Bedeutung für die Stadtgesellschaft zu. Das Projekt entstand im Rahmen des Entwurfsstudios „Stuttgart Commons“ bei Prof. Laura Calbet. Gemeinsam mit dem strategischen Beteiligungsprojekt AKUT wurden Möglichkeiten aufgezeigt, wie Commons sich in einer umkämpften Stadt wie Stuttgart den Leerstand zu Eigen machen können.
Brache als Potantial für Commons
Auf dem Areal der ehemaligen Bahndirektion finden sich verschiedene Typologien, wie kaum genutzte Straßen, eine große Brache, obsolete und wartende Räume, welche niederschwellig zugänglich sind.
Je nach Typologie sind unterschiedliche Entwicklungsszenarien für Commons denkbar. Unter Commons werden dabei Güter in der Stadt verstanden, wie Gebäude, WiFi oder Wissen, welche nicht profitorientiert und prosozial zur Verfügung gestellt werden.
Insgesamt haben die Brache hinter der Bahndirektion sowie die umliegenden teilweise leerstehenden Gebäude das Potential, vielfältige Commons Nutzungen aufzunehmen.
Prozess der Wiederaneignung
Wie kommt es letzten Endes zur Wiederaneignung des Quartiers an der Bahndirektion? Es muss einen radikalen Bottom- Up Ansatz geben, der auch eine Besetzung des Areals nicht ausschließt. Die Commons- Revolution muss die eigenen Forderungen gegenüber der Politik durchsetzen.
Nach dem Umzug zur Bahndirektion kommt es zu einem Festival, aus dessen Ergebnissen initiale Nutzungen entspringen. Anschließend daran kommt es zu einer vertraglich vereinbarten Nutzung, welche gegenüber der Politik ausgehandelt wird.
Wie können diese Ambitionen planerisch umgesetzt und langfristig gesichert werden? Wie können die Commons-Prozesse verselbstständigt und an anderen Orten angewandt werden – was kann Stuttgart dabei von guten Beispielen lernen? Hier schlagen wir Institutionen und planerische Werkzeuge wie die »5 Regeln der Commons Stadtplanung« vor.
1. Vermeiden! Leerstandvermeidung kann durch politische und planerische Werkzeuge wie eine Bodenwertzuwachssteuer, Zweckentfremdungsgesetze und eine präzise Dokumentation von Leerstand erreicht werden. Spekulation soll Einhalt geboten werden.
2. Erkennen! Die Dokumentation von Leerstand hilft Commons. Die Stadt soll einen Pool an kommunalen und privaten vakanten Gebäuden anlegen, die über Vermittlung einer Nutzung zugeführt werden.
3. Zugang! Es braucht einen niedrigschwelligen Zugang zu Räumen hergestellt werden. Dies beinhaltet eine zivilgesellschaftliche Anlaufstelle zur Beratung, Commons-fördernde Vertragskonditionen, günstige Mieten, eine transparente Raumvergabe und demokratische, partizipative Prozesse.
4. Förderung! Commons- Nutzungen müssen gefördert werden. Finanziell kann dies durch den Bürgerhaushalt, EU- Bundes-, und Landesförderprogramme oder Dachorganisationen der Commons in Form von Stiftungen erfolgen. Organisatorisch kann die zivilgesellschaftliche Anlaufstelle unterstützen.
5. Sicherung! Auf dem Weg zu einer „City als Commons“ müssen bei Neuplanungen die Sicherung des Bestandes und der bestehenden Nutzungen Vorrang haben. Der verantwortungsvolle Erhalt der Spuren von Commons dient dem Erhalt von territorialer Identität!
Titel: Stuttgart Commons: Kulturschutzgebiet Bahndirektion
Studierende: Sarah Rüngeler | Carolina Kern | Christian Nopitsch
Betreut durch: Prof. Dr. phil. Laura Calbet | Dr. phil. Tino Buchholz im WiSe 2023/24
Mehr Informationen zur Würdigung durch die Jury können hier eingesehen werden.